Modernes Schlaflabor

Schlafbezogene Atemstörungen treten bei 1 - 2 % der Bevölkerung auf. Am häufigsten findet sich das obstruktive Schlaf-Apnoe Syndrom (OSAS). Hierbei kommt es zu einem Kollaps der oberen Atemwege bedingt durch Erschlaffung der Mund- und Rachenmuskulatur im Schlaf (weicher Gaumen, Zungengrund, Rachenhinterwand). Dadurch nimmt der Atemstrom ab und schon das geringe Absinken des Sauerstoffgehaltes im Blut führt dies zu einer Aktivierungsreaktion des Gehirnes. Hierbei werden u.a. Stresshormone wie Noradrenalin in das Blut abgegeben. In der Folge steigen die Herzfrequenz und der arterielle Blutdruck. In aller Regel setzt dadurch wieder die Atmung ein,  der Schlaf wird aber gestört.

Die Schlafstörung ist erkennbar an kurz dauernden Beschleunigungen der Hirnströme (Elektroenzephalogremm  = EEG) im Schlaf (Arousals)und  Störung der Schlafstadienabfolge (Schlafprofil).  In schweren Fällen können diese Atemstörungen während der ganzen Nacht auftreten und die Schlafqualität erheblich beeinträchtigen. Die Folgen können Tagesmüdigkeit, morgendliche Kopfschmerzen, Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen, erhöhter Blutdruck, Gewichtszunahme und Sauerstoffmangel der Organe sein. Bei längerfristigem Vorliegen eines Schlaf-Apnoe Syndroms kommt es zu Veränderungen an den Schlagadern (Arterien), die zum vermehrten Auftreten von Herzinfarkt und Schlaganfall führen können.

Patienten mit schwerem Schlaf Apnoe Syndrom verursachen  7 – 10 mal mehr Verkehrsunfälle bezogen auf die Anzahl der gefahrenen Kilometer / pro Jahr. Die Arbeitsfähigkeit kann bei Schlafapnoe Patienten durch die Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen erheblich gemindert sein. Das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall ist bei Betroffenen unabhängig von anderen Risikofaktoren wie Cholesterin, Bluthochdruck, Diabetes und Rauchen deutlich erhöht, dies gilt insbesondere für Patienten, die jünger als 70 Jahre alt sind.

Für die Diagnostik des Schlaf Apnoe Syndroms entscheidet in erster Linie das Beschwerdebild und den Angaben des Patienten oder der Angehörigen. Ambulant durchführbar ist eine Polygraphie. Hierbei werden der Atemfluss, die Sauerstoffsättigung im Blut, der Puls und Atembewegungen von Brustkorb und Bauch aufgezeichnet. Erhärtet sich der Verdacht auf ein Schlafapnoe Syndrom, erfolgt die Überweisung in ein Schlaflabor zur Polysomnographie. Hier erfolgt zusätzlich die Aufzeichnung der Hirnströme, der Muskelaktivität und der Augenmuskelbewegungen.  Damit können die Atemereignisse den verschiedenen Schlafstadien (Wach, Leichtschlaf I – II, Tiefschlaf III – IV und REM Schlaf) zugeordnet werden. Unter anderem werden in der Polysomnographie folgende Messdaten bestimmt:
Der Apnoe Hypopnoe Index (Anzahl der Atemstörungen pro Stunde Schlaf),
der Sauerstoffentsättigungsindex, die Schlafstadien und Schlafdauer,  die Anzahl der Weckreaktionen (Arousals) pro Stunde. Auch wenn bei der Polysomnographie viele Sensoren und Kabel an dem Patienten befestigt werden, ist die manchmal geäußerte Befürchtung der Patienten unbegründet: Man kann bei der Polysomnographie keine Gedanken lesen oder Träume des Patienten mit ansehen!

In allen Fällen können Allgemeinmaßnahmen wie Gewichtsnormalisierung, Meiden von Alkohol und Meiden der Rückenlage im Schlaf angezeigt sein. Derzeit ist keine praktikable medikamentöse Therapie der Schlafapnoe verfügbar.  Therapie der Wahl in schweren Fällen ist die Überdruckbeatmung (CPAP Therapie), die 1981 erstmals bei OSAS angewandt wurde. Nach Art einer pneumatischen Schienung wird durch den Überdruck (mittels Nasen- oder Mund-Nasenmaske) der Atemwegskollaps verhindert.
In der Regel erfolgt die nächtliche Beatmung über mindestens 5 – 6 Stunden pro Nacht auf Dauer. Patienten, die sich an die nächtliche Maskenbeatmung schwer gewöhnen können (z.B. durch Luftleckage, verstopfte Nase oder Fließschnupfen) benötigen eine intensive Nachbetreuung.


Sofern der Patient trotz aller Unterstützung die Beatmungtherapie nicht toleriert, kann bei leichter bis mittelschwerer Schlafapnoe eine Vorverlagerung des Unterkiefers mittels einer Schiene (Unterkieferprotrusionsschiene) versucht werden. Hierbei ist der Therapieerfolg  schlecht vorhersehbar, aber es kann zu schmerzhaften Irritationen des Kiefergelenkes kommen. Daher bleibt bei Patienten mit schwerer Schlafapnoe die Beatmungstherapie erste Therapieoption. Die Therapieeinleitung (CPAP Beatmung) erfolgt ebenfalls im Schlaflabor. Hierbei wird der individuell notwendige Therapiedruck ermittelt und insbesondere auf das Auftreten von so genannten zentralen Apnoen geachtet. Treten letztere in gehäuftem Maße bei der Therapieeinleitung auf, muss eine kurzfristige Kontolle im Schlaflabor erfolgen und ggf. ein anderes Beatmungsverfahren (z.B. Bipap-Modus oder adaptive Servoventilation) eingesetzt werden.

Mit der Beatmungstherapie lassen sich oft eindrucksvolle Verbesserung der Werte im Schlaflabor erzielen und auch eine entscheidende Verbesserung der Tagessymptomatik. Eine Gewichtsreduktion kann in leichten Fällen von Schlafapnoe eine Besserung erbringen. Bei schwerer Schlafapnoe ist in der Regel eine Beatmungstherapie angezeigt. Jüngeren Patienten wird auch bei geringer Tagessymptomatik zu einer Therapie geraten im Hinblick auf das erhöhte Risiko für Gefäßerkrankungen. Bei Patienten, die älter als 70 Jahre sind, wird man nur  bei bedeutsamer Tagesmüdigkeit zur einer CPAP Therapie raten. Kraftfahrer mit schwerer Schlafapnoe bedürfen unbedingt einer Therapie.

// KONTAKT & ANFAHRT

Lungenzentrum

Tel.: 0241 7501.525 (Sekretariat)
Fax: 0241 7501.530 (Sekretariat)

Eine E-Mail schreiben...